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Praxishandbuch - inhaltich fundiert aktuell nutzerfreundlich
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Interventionen bei Lernstörungen: Förderung, Training und Therapie in der Praxis (Taschenbuch) Es steht sehr viel auf dem Spiel - bei der außerordentlich hohen Rate von Lernstörungen in unseren Schulen geht es um Entwicklungschancen junger Menschen, um ihre schulischen, späterhin jedoch auch beruflichen Möglichkeiten. Und es geht letztlich auch um das Wohl der Gesellschaft, angesichts eines zusammenwachsenden Europas und einer globalisierten Welt. Es sind zu viele Kinder und Jugendliche, die nur unzureichende Lernergebnisse erreichen. Viel zu viele weisen sogar ausgemachte und zahlreiche Störungen beim Lernen auf, die aber oft zu spät erkannt, halbherzig behandelt und oft genug eher verwaltet als wieder rückgängig gemacht werden.
Das vorliegende Buch will hier für Abhilfe insofern sorgen als es das gesicherte psychologische Wissen zur Verhinderung bzw. zur Intervention in einem Praxishandbuch zusammenstellt. Dadurch sollen geeignete Interventions- und Präventionsverfahren in der Praxis bekannt gemacht werden. Es geht den Herausgebern und Autoren aber nicht um akademisches Wissen, sondern um unmittelbar praktische Zugänge. Dementsprechend werden Praxisprogramme dargestellt, die genau und anschaulich angeben, wie sich die jeweilige Lernstörung im Alltag zeigt, wie sie definiert ist, welche Diagnostikmaßnahmen angebracht sind, wie die jeweilige Lernstörung bedingungsanalytisch erklärt wird, welche Interventionsmaßnahmen der Reihe nach getroffen werden sollen und wie diese Maßnahmen in der Praxis (z. B. im Kindergarten, der Schule, bei den Eltern) verankert werden können. Abschließend wird kurz, aber äußerst instruktiv über die Wirksamkeit der jeweiligen Intervention berichtet. Am Anfang jeden Kapitels steht ein Beispiel, das entweder die Lernstörung oder das angebrachte methodische Vorgehen schildert. Alle Beiträge mit Ausnahme von zwei einleitenden Kapiteln sind so aufgebaut, was dem Leser ein rasches Einarbeiten in die einzelnen Lernstörungen, in die Interventionsmaßnahmen und die Methoden, die in Diagnostik und Prävention zum Einsatz kommen, ermöglicht. Das Buch bewährt sich durch diesen transparenten Aufbau, die klare und präzise Sprache und die durchgängige Praxistauglichkeit.
Die Interventionsmethoden verfolgen sowohl ein kurzfristiges, als auch ein langfristiges Ziel: bei gravierenden Lernschwierigkeiten soll rasche Hilfe, Unterstützung und Anleitung gegeben werden. Zugleich soll aber auch selbständiges Lernen ausgebildet werden, indem beispielsweise die dafür notwendigen Fertigkeiten vermittelt werden. Somit soll es Kindern ermöglicht werden, ihre geistigen, motivationalen und emotionalen Ressourcen für das Lernen optimal auszuschöpfen.
Das Buch besteht aus 41 Einzelbeiträgen. Alle nach einem einheitlichen Schema aufgebaut und von einem einheitlichen und überzeugenden Niveau. Es gliedert sich in drei größere Abschnitte: Einen allgemeinen Teil, der die wichtigsten Lernstörungen (Underachievement, Rechenschwäche, Lese- Recht-Schreibschwäche, allgemeine Lernschwäche, Lernbehinderung, Lernschwächen bei Entwicklungsretardierungen, Evaluationsmethoden) vorstellt, einen Interventionsteil, der die Behandlung der unterschiedlichen Lernstörungen darstellt (Förderung der Unterrichtsbeteiligung, Motivierung, Förderung von Interessen, Vermittlung von Lernstrategien, Ausbildung exekutiver Kontrolle, Förderung von Unterrichtsdisziplin, Förderung von Metakognition und strategischem Lernen, Anleitung von Eltern und Erziehern zur Hausaufgabenbetreuung, Förderung von phonologischer Bewusstheit, Förderung von Wahrnehmung, Förderung von Aufmerksamkeit und Konzentration, Aufbau von Rechenfertigkeiten, Förderung der begrifflich-kategorialen Verarbeitung, Aufbau von Lesefertigkeiten, Förderung von sinnverstehendem Lesen, Aufbau von Rechtschreibkenntnissen) und einen inhaltsübergreifenden Teil, der vielseitig einsetzbare Interventionsmethoden anschaulich erläutert (Einsatz der Wortkartei, Computerunterstützes Lernen, Kontingenzmanagement, Selbstgesteuertes Lernen, Selbstinstruktionstraining, Verhaltensverträge, Attributionstraining, Eltern und Lehrer als Mediatoren, Tutorielles Lernen, Förderunterricht, Komplexitätsreduktion, Gestaltung des Überganges Kindergarten-Schule, Erleichterung des Berufseinstiegs bei Schulabgängern). Alle Beiträge erfüllen die in sie gesetzten Erwartungen. Sie informieren ohne langes drum herum, kommen auf den Punkt ohne zu verkürzen. Die einheitliche Struktur der einzelnen Kapitel ermöglicht eine sofortige und zuverlässige Orientierung sowie ein schnelles Herausgreifen gerade benötigter Informationen - je nach Stand des eigenen Vorwissens.
Der Band überzeugt durch seine inhaltliche Struktur, Konzeption, Fundiertheit und Aktualität. Er richtet sich zum einen an Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, Lehrer, Sonderpädagogen, Schulpsychologen, Lerntrainer, Studierende sowie bildungs- und gesundheitspolitisch Verantwortliche, wird aber auch all den anderen, die sich mit dem so verbreiteten Thema Lernstörungen beschäftigen wollen, wärmstens empfohlen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. September 2004 |